Aalto-Musiktheater

Spielzeit 2015/2016: Wiederaufnahmen

Lyrisches Märchen in drei Akten von Antonín Dvořák
Dichtung von Jaroslav Kvapil
In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung Tomáš Netopil, Gerrit Prießnitz
Inszenierung Lotte de Beer
Ausstattung Clement & Sanôu
Dramaturgie Alexander Meier-Dörzenbach
Choreinstudierung Patrick Jaskolka
Wiederaufnahme am 8. April 2016

RUSALKA – Antonín Dvořák from Theater-TV on Vimeo.

Die Oper “Rusalka”, 1901 im Nationaltheater Prag uraufgeführt und Antonín Dvořáks vorletztes Werk, klassifiziert der Librettist Jaroslav Kvapil als „lyrisches Märchen“. Das Stück erzählt die Geschichte der “Rusalka”, einer Nixe, die durch einen Hexenzauber menschlich wird. So erst kann sich zwar ihre lang ersehnte Liebe zu dem Prinzen erfüllen, doch muss sie dafür verstummen. Der Prinz verstößt die Stimmlose und ist damit selbst dem Tode geweiht. Bei der Handlung lässt Kvapil Elemente verschiedener Mythen sowie literarischer Werke zusammenfließen. Zum einen diente Hans Christian Andersens Märchen “Die kleine Meerjungfrau”′ als Vorlage, zum anderen Friedrich de la Motte-Fouqués Erzählung “Undine” sowie Gerhart Hauptmanns Drama “Die versunkene Glocke”. Bemerkenswert an “Rusalka” ist die Tatsache, dass hier nicht die Perspektive eines heroischen, am Ende siegenden Titelhelden im Vordergrund steht, sondern die zerbrechliche, tragisch-melancholische und doch kraftvoll-urgewaltige Persönlichkeit der Rusalka. Bei dem Versuch, sich der Seele eines Menschen anzunähern, stört und verändert sie jedoch empfindlich das Gleichgewicht zwischen diesen beiden so völlig gegensätzlichen Seiten von Mensch und Natur. Wenn der Prinz, dem Rusalka am Anfang verfällt, am Ende ihren tödlichen Kuss ersehnt, tut er dies nicht nur, um sich selbst von Schuld zu befreien, sondern um beide Seiten – seine menschliche und Rusalkas urnatürliche – wieder ins Gleichgewicht zu bringen und damit zu erlösen. Doch erst Dvořáks spätromantische Musik, die durch ihre vielschichtige Subtilität die Handlung nicht nur unterstützt, sondern vielmehr stark erweitert und komplettiert, macht diese Oper zu einem Musikdrama, das völlig zu Recht zu den größten Meisterwerken der tschechischen Oper zählt.