Spielzeit 2011/2012: Wiederaufnahmen
Die Walküre
Erster Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen”
von Richard Wagner
Mit Übertitelung
| Vorstellungen & Tickets in der Spielzeit 2011/2012 |
| Sa |
24. 03. 2012 |
um 18:00 - 22:45 Uhr |
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Tickets |
| Do |
28. 06. 2012 |
um 18:00 Uhr |
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In einer Revolutionsschrift apostrophierte der für eine kurze Zeit politisch entflammte Wagner den eigenen freien Willen als das einzige höchste Gesetz. Der spätere „Ring“ und darin insbesondere dessen erster Tag, „Die Walküre“, glich einem ins Kolossalische geratenen Dementi dieser Aussage. Absolut nichts scheint hier frei. Wagner zeigt dies unmißverständlich gleich in der anfänglichen Sturmszene. Es ist Abend. Das Unwetter lässt nach. Ein Flüchtender, vor Anstrengung halb tot, will ein inmitten der Waldeinsamkeit gelegenes Haus betreten, zögert jedoch für einen bedeutsamen Augenblick, den Riegel noch in der Hand. Das Ende dieses Zögerns setzt die nun starr folgende Unabwendbarkeit der Geschehnisse in Gang. Die Schwellensymbolik, von Wagner längst beständig verwandt, introduziert hier den Übergang in eine Ausweglosigkeit, worin Liebes- und Todessehnsucht sich so verschränken wie kaum je zuvor in einem anderen Werk der Musiktheatergeschichte. Sein Höhepunkt mag weniger im so berühmten wie mißbrauchten „Walkürenritt” gesehen werden als in der unendlich bewegenden „Todesverkündigung”, die Siegmund das Angebot seiner Halbschwester Brünnhilde auf die Ewigkeit im Heldenhimmel abschlagen lässt, wenn nicht auch für seine Zwillingsschwester Sieglinde die Pforte für jenes transzendente Reich offen steht. Sinnliche Liebe als Versöhnungsverneinung: das ist in der gesamten Tetralogie einzigartig und recht eigentlich das Zentrum des 1870 gegen Wagners ausdrücklichen Willen uraufgeführten Werkes. Die väterliche Macht von Wotan wird hier so fragil, dass auch der Gott selbst aus seinen Verstrickungen kaum mehr zu retten ist. Den Sohn lässt er ermorden, eine schwangere Tochter will er gleich selbst umbringen. Die andere mit Erda gezeugte Tochter gedenkt er dem erstbesten Dahergelaufenen anzubieten. Die eigene Ehe ward seit den Vertragsbrüchen des Vorabends längst zerrüttet. Der Gott scheint – „nur eines will ich noch …“ – längst am Ende. Der „Ring“ gerät hier – allemal in der Nachbarschaft von Flaubert, Hebbel und Ibsen – vollends zum Familiendesaster.
Gefördert von der E.ON Ruhrgas AGTheater-TV-Trailer
Pressestimmen
„In Bayreuth war Stefan Soltesz noch nie. Dass es für den Generalintendanten der Essener Aalto-Oper auch wenig Grund gibt, daran etwas zu ändern, zeigt die jüngste Premiere an seinem Haus, Wagners ‚Walküre′. Mit dem zweiten Teil des ‚Ring des Nibelungen′ verwandelt er alles, was die Partitur an Leidenschaft, Emotionen, an Klangschönheit, Finesse, aber auch an gesteigerter Gewalt hergibt auf überwältigende Weise in Klang. Schon das aufbrausende, atemlos dahinjagende Vorspiel zum ersten Aufzug ist ein Naturereignis. Trotz des enormen Tempos kostet Soltesz mit den präzise spielenden Essener Philharmonikern jede dynamische Nuance aus, achtet in jeder Phrase auf genaueste Feinzeichnung. Die kommt natürlich erst recht in den ruhigeren, lyrischen Abschnitten zum Tragen.“
_General-Anzeiger Bonn, 03.06.2009_
_Bernhard Hartmann_
„Der Jubel nach Opernpremieren im Aalto-Theater gleicht seit Jahren eigentlich immer einem mittelschwerem Orkan. Doch was sich nach Richard Wagners Walküre entlud, war geradezu ein Vulkanausbruch: mit Salven von „Bravi“ wurden Sänger und Musiker nur so überschüttet. Und selbst er, der in Essen schon schroffste Ablehnung hat erfahren müssen, wurde diesmal gefeiert wie ein König: Regisseur Dietrich Hilsdorf. Was hat er gemacht? Auf einer riesigen Bühne, die Dieter Richter als reichlich heruntergekommenen Festsaal hergerichtet hat – ein protziger Ort der einst unangefochten herrschenden Oberschicht - inszeniert Hilsdorf... ein Kammerspiel! Mit ganz wenigen Mitteln, aber unglaublicher Dichte. [...] Essen wird an diesem Abend zur Wagner-Kulturhauptstadt 2009!“
Westfälische Nachrichten, 27.05.2009
Christoph Schulte im Walde
„Jeffrey Dowd und Danielle Halbwachs überzeugen mit großen Stimmen und guter Aussprache als Zwillingsgeschwisterpärchen Siegmund und Sieglinde. Ein ausdrucksstarkes Pendant finden Sie in Egils Silins und Catherine Foster, die als Göttervater Wotan und Brünnhilde am Ende des dritten Akts eine anrührendes Vater-Tochter-Porträt zeichnen. Marcel Rosca ist als Hunding der Fiesling im Bunde. Ein Wagner-Highlight!“
Ruhr Nachrichten, 26.05.2009
Klaus Stübler
„Leidenschaftlich und vital, detailgenau, ohne den großen Zusammenhang aus den Augen zu verlieren, durchglüht Stefan Soltesz mit den großartigen Essener Philharmonikern Wagners musikalische Wonnen. Ungeheuer modern, ungeheuer spannend klingt diese ‚Walküre′ im Gespür für das Minutiöse im komplexen Kontext. Das einer Kulturhauptstadt würdige Spitzenniveau setzt sich ein einer erstklassigen Besetzung fort. Der Wotan des lettischen Baritons Egils Silins besticht nicht nur durch majestätische Wucht, Intensität noch im Leisen und erstklassige Deklamation. Dieser grandiose Sänger lotet auch das innerre Ringen des schuldverstrickten Göttervaters faszinierend aus. Ihm ebenbürtig: Catherine Fosters in der Durchschlagskraft imposante, in der Feinzeichnung anrührende Brünnhilde.“
Recklinghäuser Zeitung, 26.05.2009
Bernd Aulich
„Hilsdorf gelingt es, die Charaktere psychologisch genau zu zeichnen. [...] GMD Stefan Soltesz präsentiert mit seinen klangschönen Essener Philharmonikern eine sehr temporeiche ‚Walküre′. Soltesz hat keine Angst, das große Wagner-Orchester wirklich laut werden zu lassen und findet dennoch immer wieder betörend intime Momente in der Partitur."
Westfalenpost, 26.05.2010
Monika Willer
„Dietrich Hilsdorf schmiedet den zweiten Teil von Wagners ′Ring des Nibelungen′ als Kammerspiel der leisen Töne. Leise Töne? So wie Stefan Soltesz mit den Essener Philharmonikern pulsend durch Aufstieg und Fall eines göttlichen Plans schnellt, sind sie ein Gegensatz zu dem, was packend aus dem Orchestergraben tönt. Und dieses Tempo! Kaum ein Stündchen braucht Soltesz für den ersten Aufzug - bei Kollegen können es locker 10 Minuten mehr sein. Aber Soltesz′ Kunst heißt: den grenzwertig kompakten, durchaus heroischen Grundklang nicht zur Wagner-Walze zu machen, die jede Transparenz überrollt. Erstaunlich, wie durchhörbar das Orchester bleibt. Es erntet Jubel. Und Soltesz strahlt.“
WAZ, 26.05.2009
Lars von der Gönna
„Stefan Soltesz′ Dirigat lässt das Werk pulsieren und ermöglicht das hohe sängerische Niveau. Seine straffen Tempi laden die Gewitterstürme des ersten Aufzugs mit Energie auf, und sie fachen den feinzüngelnden ‚Feuerzauber′ im dritten Aufzug an. Doch ebenso fesseln Soltesz′ Entschleunigungen in reflektierenden Momenten, wenn ein Stimmungsumschwung oder ein Erkennen in Zeitlupe deutlich wird.“
Westfälischer Anzeiger, 26.05.2009
Elisabeth Elling
„Das Essener Ensemble setzt dieses Konzept nicht nur darstellerisch überzeugend um - es bewältigt auch die immensen sängerischen Anforderungen der von Wagners herrlicher Partitur, und dies auf derart erfreulichem Niveau, dass die Wahl des Essener Musiktheaters zum ‚Opernhaus des Jahres 2008′ ein weiteres Mal gerechtfertigt erscheint.“
FAZ, 27.05.2009
Christian Wildhagen