Aalto-Musiktheater

Spielzeit 2015/2016: Wiederaufnahmen

Ein Maskenball
Oper von Giuseppe Verdi
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung Matteo Beltrami
Inszenierung Dietrich W. Hilsdorf
Bühne und Kostüme Johannes Leiacker
Choreinstudierung Patrick Jaskolka
Wiederaufnahme am 27. November 2015

„Ich befinde mich in einem wahren Inferno!”, klagte Verdi aus Neapel, „und ich verfluche die Stunde, als ich den Kontrakt unterschrieb.” Gemeint war die Verpflichtung, eine Oper für die Wintersaison 1857/58 des neapolitanischen Theaters San Carlo zu komponieren. Als Sujet dieses Projektes hatte Verdi Eugène Scribes Libretto „Gustave III. ou le bal masqué” gewählt. Dem Stück liegt die Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. 1792 während eines Maskenballs in der Stockholmer Oper zugrunde. Diese historische Begebenheit hatte Scribe mit einer erfundenen Liebesgeschichte zwischen Gustav und einer verheirateten Hofdame wirkungsvoll ausgeschmückt.

Verdi war von diesem Stoff völlig hingerissen und Ende 1857 war die Arbeit an der Partitur abgeschlossen. Doch die neapolitanische Zensur, eingedenk des 1849 in Neapel verübten Attentates auf Napoleon III., liess einen „Königsmord auf offener Bühne” nicht zu und verunstaltete das Libretto durch eine „gründliche” Bearbeitung. Es kam zum Eklat: Der Komponist verklagte die Theaterintendanz und zog sein Werk zurück. Erst ein Jahr später konnte „Un ballo in maschera” im römischen Theater Apollo herauskommen. Die päpstliche Zensur hatte sich mit der Verlegung der Handlung nach Amerika und der Umbenennung der Figuren zufrieden gegeben. Nun war aus Gustav III. ein Riccardo, Graf von Warwick, Gouverneur von Boston geworden… Das Werk löste Begeisterungsstürme aus und setzte sich in allen Musikmetropolen rasch durch. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die 1859 von der Zensur erzwungenen Änderungen rückgängig gemacht: Heutzutage ist die „schwedische” wie die „amerikanische” Fassung beim Publikum gleich beliebt.
Hilsdorf geht der Ruf voraus, Stücke sehr genau zu analysieren. Die Ergebnisse auf der Bühne wirken dann oft überraschend neu, zuweilen irritierend, aber immer aufregend. Aus dem schwedischen „Zauberkönig” Gustav III. wird in Hilsdorfs Inszenierung Riccardo, König von Neapel, ein Relikt des ancien régime mitten im 19. Jahrhundert, einer der letzten höfischen Phantasten, ein Träumer, der, längst nach der Französischen Revolution, sich und seine Untertanen wie ein Gesamtkunstwerk inszeniert, selbst den eigenen Tod durch ein Attentat in dieses „Spiel” einbezieht und dabei die geliebte Frau, seine Freunde und Feinde, den ganzen Hof sowie beliebige Untertanen als Statisten benutzt: Der absolute Herrscher als selbstverliebter, gottgleicher Schöpfer seiner eigenen Welt.

Zu jeder Vorstellung von “Un ballo in maschera” bieten wir Ihnen jeweils eine halbe Stunde vor Beginn einen Einführungsvortrag im Foyer an.