Spielzeit 2011/2012: Wiederaufnahmen
Das Rheingold
Vorabend zu dem Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen”
von Richard Wagner
Mit Übertitelung
| Vorstellungen & Tickets in der Spielzeit 2011/2012 |
| Di |
26. 06. 2012 |
um 19:30 Uhr |
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Der als Revolutionär steckbrieflich gesuchte sächsische Kapellmeister Richard Wagner floh 1849 aus Deutschland. In seinem Gepäck führte er ein Textbuch über „Siegfrieds Tod“ mit sich. Darin werden die Götter noch erlöst. Die nur knapp skizzierte Vorgeschichte verlangt nach Entfaltung: Am Ende sind es vier abendfüllende Werke. Wagner orientiert sich zum einen an der isländischen „Völsunga Saga“ (weshalb er Siegfrieds Eltern einen ganzen Abend widmen muss), kombiniert diese Geschichte von Liebe und Verrat unter Menschen dann aber mit der Erzählung vom Untergang der Götter, wie er sie in der „Edda“ vorfand: Das Ende einer Epoche, das Verschwinden der ehemals fast Allmächtigen dämmert herauf, neue Kräfte greifen nach der Macht, Verträge, Gesetze, alte Übereinkünfte werden über Bord geschmissen. Ängste und Ungewissheiten werfen Schatten auf das Geschehen. „Das Rheingold“ erzählt von diesen Verwerfungen: Den Göttern mit Wotan an der Spitze stehen die Nibelungen – unterirdisch hausende, rastlos arbeitende Nachtalben – und die Riesen gegenüber. Alte Spannungen blitzen immer wieder auf. Über die Nibelungen herrscht Alberich durch die Macht des Goldes (deren Symbol der Ring ist) und strebt die Weltherrschaft an. Wotan, der auf der Erde einen Frieden mit den Riesen zustande gebracht hat, meldet seinen Herrschaftsanspruch an. Die Götterburg als dessen sichtbares Zeichen findet ihre – auch musikalische – Entsprechung im Ring. Die Arbeit mit wiederkehrenden und sich ständig verändernden Motiven, aus denen Wagner seine vieldeutige Partitur entwickelt, weist dem Orchester eine völlig eigenständige Rolle zu: Die vordergründige Handlung wird ergänzt durch Unausgesprochenes: Ahnungen und Erinnerungen, Ängste und Irritationen. Was bei den Nibelungen geschieht, ahnt Wotan auf lichten Höhen; das Ende der Götter leuchtet in den ersten Takten schon auf. Keine unberührte Natur, keine naiven Fabelwesen, sondern Menschen, die schon eng miteinander verstrickt sind. Und sie werden nicht voneinander loskommen, Götter und Nibelungen, bis zum Ende.
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Pressestimmen
„Für das Entree in die Tetralogie sorgte jetzt Tilman Knabe , und man wird sich seines ‚Rheingolds′ in Essen sicher noch lange erinnern. [...] Und natürlich die Essener Philharmoniker, die nie als kompakter Klangkörper in Erscheinung treten, sondern feine luftige Linien zeichnen, das Bühnengeschehen gespannt antreiben, begleiten oder kontrapunktieren. So liefert Soltesz den klingenden Beweis, dass Wagners „Rheingold“ eben nicht (nur) nach Bayreuth, sondern vor allem auch ins deutsche Stadtheater gehört.“
Der Tagesspiegel, 13.11.2008
Michael Struck-Schloen
„In Sachen Strauss und Wagner hat sich der dirigierende Opernintendant schon immer als besonders beredt erwiesen. Bei ‚Rheingold′ fasziniert neuerlich ein schlankes, transparentes, intonationssicheres Klangbild, in dem dramatisches Vorwärtsdrängen gleichwohl nicht fehlt. Das kürzlich eingeheimste Prädikat ‚Orchester des Jahres′ wird nachdrücklich bestätigt. [...] Knabes flüssige, oft temporeiche Inszenierung bietet keine Gefälligkeiten, sondern böse Wahrheiten. [...] Der kraftvolle Midlife-Wotan von Almas Svilpa, der scharfzüngige Loge von Rainer Maria Röhr, der vitale Alberich von Jochen Schmeckenbecher sowie Ljubov Sokolova als mezzosonore Erda bilden die Spitze eines hochadäquaten Ensembles.“
Bonner General-Anzeiger, 13.11.2008
Christoph Zimmermann
„Ein so lustvoll perfekt im Detail durchgeformtes ‚Rheingold′, das eine kaputte Welt im Ganzen ins Visier nimmt, hat man lange nicht zu sehen bekommen! Obendrein stimmt die musikalische Qualität. Denn hier glänzt ein erstaunlich geschlossenes Ensemble. Und weil auch die Essener Philharmoniker und Stefan Soltesz in glänzender Verfassung sind und mit spürbarer Lust auf dem Rheingrund wabern, den Fernblick aufglänzen lassen und immer im Bündnis mit und nie gegen die Sänger musizieren, gelingt in Essen ein so kurzweiliges wie hintersinniges ‚Rheingold′. Packendes Musiktheater im besten Sinne.“
Wiener Zeitung, 13.11.2008
Joachim Lange
„Der Kampf ums Gold und seine Verderblichkeit: Der Revolutionär Wagner zeigte es in diesem Stück drastisch auf. Tilman Knabe macht ein schonungslos gegenwärtiges Zeitgemälde daraus. Aber da ist ja noch die Musik. Fast könnte man sie bei der überwältigenden optischen Invasion verdrängen, wäre da nicht Stefan Soltesz mit seinen Essener Philharmonikern, der prägnant, rasch und schwärmerisch musiziert und das Ensemble zusammenhält, das bei den enormen szenischen Anforderungen erstaunlich sicher singt. Wotan (Almas Svilpa) macht gute sängerische Figur, Alberich (Jochen Schmeckenbecher) bietet ihm mit kultivierter Stimme Paroli. Mit Bassschwärze passen die Riesen ins Bild. Fafner (Marcel Rosca) ist der knallharte Geschäftsmann, Fasolt (Andreas Macco) zeigt seine Liebe für Freia (Francisca Devos), die später um seinen Tod herzzerreißend weint. Auch im übrigen Team hört und sieht man beachtliche Leistungen.“
Westfälische Rundschau, 12.11.2008
Sonja Müller-Eisold
„Stefan Soltesz und die Essener Philharmoniker lieferten einen überzeugenden Wagner-Klang. Gesungen wurde tadellos: Almas Svilpa als Wotan, Ildiko Szönyi als Fricka, Rainer Maria Röhr in der Rolle des veschlagenen Loge. Zu Recht gefeiert wurde Jochen Schmeckenbecher als Alberich - großartig seine Wandlung.“
Westfälische Nachrichten, 11.11.2008
Christoph Schulte im Walde
„Der Aalto-Ring startet spektakulär mit einer zynischen ‚Rheingold′-Groteske um Macht und Gier. Was um Himmels willen ist nur mit den Göttern los? Götter-Hausherr Wotan hat die Immobilie Walhall mit einem Foreward-Darlehen auf Pump bauen lassen. Aber der Mann ist pleite. Auch moralisch ist er in Tilman Knabes bildgewaltiger, praller ′Rheingold′-Deutung am Aalto-Theater ganz unten in der Gosse angekommen. [...] Zu den schönsten Ideen der Inszenierung zählen die Auftritte der von Ljobov Sokolova mit betörender Glut gesungenen Erda als vervierfacht auftretende schwarze Schamanin eines vom westlichen Zivilisationsmüll verschonten Urvolkes und der finale Aufstieg der Götter nach Walhall - keine pompöse Prozession, sondern ein Kniefall im Kreise. [...] Alles in allem ein verheißungsvoller Auftakt für einen außergewöhnlichen Kulturhauptstadt-Ring.“
Recklinghäuser Zeitung, 10.11.2008
Bernd Aulich
„Musikalisch überlässt Stefan Soltesz im Graben nichts dem Zufall. Straff hält er die Zügel fest in der Hand und sorgt für höchste Klangtransparenz und zügige Tempi. Soltesz′ Wagner klingt schlank, agil und dennoch hoch explosiv. Aus der insgesamt auf hohem Niveau agierenden Sängerschar ragen insbesondere Jochen Schmeckenbechers grandioser Alberich und Rainer Maria Röhrs eisig blasierter Loge heraus.“
dpa, 09.10.2008
Constanze Schmidt
„Doch was bereits nach wenigen Minuten empörte Zuschauer aus dem Saal treibt, ist eine konsquent überspitzte Umsetzung von Wagners immer wieder beschworenem Ideal: dem Ur- und Wunschbild einer Welt, in der Lust und Liebe regieren, nicht der Drang nach Macht und Gewinnmaximierung. [...] Knabe hält alle Ebenen handwerklich gekonnt in Aktion, setzt Akzente, wagt auch unbequeme sichtweisen. Kühn und doch schlüssig etwa Alberichs Verwandlung in der Nibelheimszene. [...] Im Ganzen aber bedauert man, dass Knabe nicht auch die folgenden „Ring"-Teile mit seinem energischen Zugriff neu beleuchten wird. [...] Das künstlerische Potential dieses „Rings“ ist [...] endlich wieder ein hoffnungsvolles Signal aus der künftigen Kulturhauptstadt.“
FAZ, 11.11.2008
Christian Wildhagen
„Alfred Peter hat ein gigantisches Puppenhaus gebaut, das nach vorne gekippt ist, so dass die Sänger auf einer schiefen Ebene agieren. In diesem Puppenhaus passiert alles simultan, man kann den Bewohnern zuschauen. [...] Der Raum komprimiert die sozialen Ebenen: das getäfelte Riesenbüro Wotans, den billigen Puff der Rheintöchter, den verlumpten Slum Nibelheims. Der Reichtum, also das Rheingold, wird so sinnfällig von unten nach oben verteilt. Das sind wirklich starke Bilder.“
Westfalenpost, 10.11.2008
Monika Willer